Zwölf Stunden am Tegernsee, ohne einen einzigen Plan
Was passiert, wenn man einen Tag lang nichts vornimmt außer aufzustehen? Ein Protokoll vom 6. Juni, aufgeschrieben zwischen Steg und Wallberg.
Um 6:40 Uhr liegt Nebel über dem See, so tief, dass das andere Ufer nicht existiert. Wer zu dieser Zeit im Spa ist, hat den Infinity-Pool für sich — und die eigenartige Erfahrung, in warmem Wasser zu liegen, während einen kalte Luft im Gesicht trifft.
Der Steg gehört den Frühen
Gegen acht wird es hell genug, um die Ruderboote zu sehen. Der See ist an Junimorgen fast immer glatt; erst ab elf kommt der Wind über den Wallberg. Bis dahin hört man beim Rudern nur die Dollen und ab und zu einen Fisch.
Wer lieber laufen will: Der Weg am Ostufer ist flach und führt in gut vierzig Minuten nach Egern. Zurück lohnt sich das Schiff — es fährt stündlich und man sieht das Tal aus der Perspektive, für die es gebaut wurde.
Mittags in den Schatten
Zwischen zwölf und drei ist die Terrasse voll, der Kräutergarten dahinter aber fast immer leer. Dort steht eine Bank unter einem Apfelbaum, und wer eine Karaffe Wasser mitnimmt, kann dort zwei Stunden verbringen, ohne dass jemand vorbeikommt.
Die beste Entscheidung des Tages war, keine zu treffen.
Nachmittags auf den Berg — oder eben nicht
Die Wallbergbahn fährt bis 17 Uhr, oben sind es im Juni angenehme 14 Grad. Der Blick reicht bei klarer Luft bis zum Karwendel. Man kann aber auch einfach im Zimmer bleiben. Es gibt Tage, an denen das die anspruchsvollere Wahl ist.
Was sich gelohnt hat
- Vor sieben Uhr in den Pool
- Ruderboot statt Uferweg
- Kräutergarten statt Terrasse
- Abendessen erst nach halb neun
Um 21:30 Uhr ist es endlich still genug, um das Wasser gegen den Steg zu hören. Das ist, mit einigem Abstand, der beste Moment des Tages.